Projekte
Initialprojekt des Kolleg Stadt NRW ist die Städtebauausstellung 2010.
Städtebauausstellung NRW –
1910 – 2010+. Dynamik und Wandel der Städte am Rhein
Hundert Jahre nach der wegweisenden „Allgemeinen Städtebauausstellung“, die 1910 in Berlin und kurz darauf in Düsseldorf stattfand, planen das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW und die Regionale 2010 die Städtebauausstellung „1910 – 2010+ Dynamik und Wandel der Städte am Rhein“, die von November 2010 bis Februar 2011 im Rahmen des Präsentationsjahres der Regionale 2010 gezeigt wird. Konzipiert, wissenschaftlich begleitet und vorbereitet wird die Ausstellung durch das Kolleg-Stadt-NRW, zu dem sich die RWTH Aachen, die TU Dortmund und die BU Wuppertal zusammengeschlossen haben.
Das Ausstellungskonzept:
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Transformationsprozesse in der Entwicklung ausgesuchter Städte am Rhein zwischen Bonn und Duisburg. In einer plakativen Gegenüberstellung der rheinischen Städte 1910 und 2010 werden die legendären Pläne und Personen, die maßgeblichen Entwicklungen und prägnanten Orte in den Blick genommen, die für die vergangenen hundert Jahre städtebaulich prägend waren. Die Ausstellung betrachtet somit erstmals umfassend die Planungs- und Stadtbaugeschichte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts in Nordrhein-Westfalen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadtentwicklung am Rhein werden reflektiert und in den Kontext maßgeblicher Planungsdiskurse, europäischer Referenzstandorte und zeitgeschichtlicher Rahmenbedingungen eingeordnet.
Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Transformationsgeschichte der rheinischen Städte Bonn, Köln, Leverkusen, Düsseldorf, Neuss und Duisburg. Der Rhein, als pulsierende Verkehrs-, Wirtschafts- und Kulturader wird zur inhaltlichen Klammer der Präsentation. Dabei spielt neben anderen Faktoren und Bedingungen der Stadtentwicklung der Bedeutungswandel des Flusses in den letzten hundert Jahren eine zentrale Rolle. Die ausgewählten Städte stehen nicht nur beispielhaft für den Wandel im Rheinland, sondern mit ihren sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Eigenheiten und den damit verbundenen spezifischen Entwicklungen auch exemplarisch für vielfältige Transformationsprozesse in Europa. Die Ausstellung wird die Entwicklung der einzelnen Städte zum einen in einer historischen Rückschau betrachten zum anderen aber auch die derzeitigen und zukünftigen Planungen und Entwicklungen darstellen. So soll ein aktiver Beitrag zu den aktuellen Diskussionen der städtischen Entwicklungen geleistet werden. Daher wird sich die Ausstellung an ein breites Publikum wenden, um die komplexen Fragestellungen der Stadtentwicklung in das öffentliche Bewusstsein zu tragen. Weiterhin werden die Veränderungen in der Planungskultur und die Instrumentarien der Stadtplanung thematisiert und in ihrer Bedeutung für die konkrete städtebauliche Entwicklung erfasst.
Städtebauliche Ideen- und Planungsgeschichte wie auch unser Bild von Stadt sind immer abhängig von den die Entwicklung prägenden Personen. Neben den genannten inhaltlichen Schwerpunkten ist es deshalb ein wesentliches Ziel der Ausstellung, jene Planer, Architekten und Städtebauer, die wesentliche Impulse für den Städtebau in NRW und maßgebliche Konzepte und Planungen beigesteuert haben, vorzustellen und ihr Wirken zu würdigen.
Die Kapitel der Ausstellung
Eine rhein:reise führt den Betrachter durch Raum und Zeit:
Die Entwicklung von Siedlungs- und Landschaftsraum in den letzten 100 Jahren wird anhand von Luftbildern und Stadtpanoramen veranschaulicht.
stadt:wandel: Das zentrale Kapitel erzählt in Geschichten die prägenden Etappen der Stadtentwicklung am Rhein, zum Beispiel die des „Großstadtwerdens“: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchsen die Städte explosionsartig, die Stadtentwicklung musste Lösungen auf Probleme wie Verdichtung und Verbauung finden. Erstmals wurde Freiraum in der Stadt zum Planungsgegenstand. Mit der erstarkenden Industrie entstanden wie etwa in Leverkusen ganz neue Städte und funktionale Siedlungen. Deutliche, aber dennoch kaum beachtete bauliche Spuren gibt es von der Moderne im Rheinland, aber sie schlug sich im Denken nieder – für die Folgezeit der Stadtplanung ein nicht unwichtiger Aspekt. Die von Großphantasien geleiteten Planungen des Nationalsozialismus werden in der Ausstellung angesprochen, ebenso wie die unterschiedlichen Ansätze, die den Wiederaufbau begleiteten: vom Rückgewinn der historischen Stadtstruktur bis zur Umsetzung verkehrsgerechter Stadtsysteme. Thematisiert werden der Massenwohnungsbau der ersten Nachkriegsjahrzehnte, der Umgang mit den Stadtverbindungen am Rhein, den Brücken, sowie die Zerstörung des historischen Baubestands in den 1970ern, um modernen Gebäuden Platz zu machen. Und schließlich der Wandel alter Industriestandorte bzw. die Neuentdeckung städtischer Lebensqualität durch die Nutzung der Uferlagen. Wie qualifizieren sich Städte am Rhein heute als zeitgemäß und lebenswert für ihre Bewohner?
zukunfts:blick: Wie begegnet die Stadt dem Klimawandel? Wie können Ressourcen gespart werden? Welche Antworten hat die Stadt auf den zunehmenden Energieverbrauch? Wie muss zukünftig mit der begrenzten Ressource Boden umgegangen werden? Wie verändert sich die Gesellschaft? Wie werden Ver- und Entsorgung und Mobilität zukünftig organisiert? Wer wird zukünftig in den Städten wohnen? Fragen, die am Rhein aber auch in vielen anderen Städten diskutiert werden. Dieses Kapitel wird eher spekulativ Bilder der Stadt der Zukunft zeichnen.
Die Ausstellung will Hintergründe und Wechselwirkungen transparent machen, sie ist keine Anleitung für korrekten Städtebau.
Führungen, Vorträge und weitere Veranstaltungen ergänzen die Ausstellung, ein Katalog vertieft die Themen.
Die Ausstellung wird im RheinForum (RheinTriadem) am Konrad-Adenauer-Ufer in Köln gezeigt. Das ehemalige Direktionsgebäude der Reichsbahn – 1906-1913 gebaut und seit 1987 unter Denkmalschutz – steht seit 2000 leer und wird für unterschiedlichste Events genutzt. Es ist selbst ein bauliches Dokument für den Wandel der letzten 100 Jahre.
Die Partner
Die drei an der Ausstellung beteiligten Institutionen unterstützen das Ausstellungsprojekt jeweils auf der Basis ihrer spezifischen Ausrichtungen.
M:AI, Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW e. V. ist ein Leitprojekt im Rahmen der Initiative StadtBauKultur des Landes Nordrhein-Westfalen. Es wurde 2005 als mobiles Forum zur Präsentation und Reflexion von Architektur und Ingenieurkunst in Nordrhein-Westfalen gegründet. Das M:AI beschäftigt sich mit der baukulturellen Landschaft in Nordrhein-Westfalen und stellt die Baukunst des Landes in den Mittelpunkt seiner Ausstellungen, Präsentationen und Diskussionsforen, um sie über die Grenzen des Bundeslandes hinaus bekannt zu machen und auch als Standortfaktor aufzuweisen.
Die Regionale 2010 ist ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen für die Region Köln/Bonn, deren Projekte 2010/2011 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die ausgewählten Städte Bonn, Köln und Leverkusen sind Teil dieses Gebietes. Die Regionale 2010 Agentur begleitet und unterstützt die Entstehung und Durchführung der Ausstellung. Es ist geplant, die Ausstellung, die ein bedeutsamer Beitrag zum Programm des Präsentationsjahres sein wird, mit anderen Formaten, z. B. der internationalen Rheinkonferenz 2010 und den Regionale 2010-Projekten im Betrachtungsraum zu vernetzen.
